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Wie christliche Identität gelebt und geformt wird

Südkoreanische Delegation besucht Detmolder Schulen und Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte

Eine 18-köpfige Bildungsdelegation aus dem südkoreanischen Pohang hat auf ihrer Europareise nun auch Detmold besucht. Zweck der Reise ist es christliche Bildungseinrichtungen in Deutschland und den Niederlanden kennenzulernen und zu sehen, wie christliche Identität ausgeformt und gelebt wird. Die Gruppe setzt sich zusammen aus Studierenden und Professoren der Handong Global Universität, die mit 4.000 Studenten zu den größten christlichen Universitäten Asiens zählt. Die Delegationsteilnehmer sind entweder bereits Lehrer oder befinden sich noch in der Lehrerausbildung und werden von Prof. Dr. John Choi begleitet. Prof. Choi lebte selbst mehrere Jahre als Pastor einer südkoreanischen Kirchengemeinde in Köln und lehrt heute in Südkorea, den USA und in Belgien evangelische Theologie und Philosophie.

In Detmold waren sie zunächst Gast in den August-Hermann-Francke-Schulen und nahmen an den morgendlichen Lehrerandachten und den ersten Unterrichtsstunden teil. Anschließend ließen sie sich die Geschichte der Deutschen aus Russland im Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte erklären und zeigten sehr sich beeindruckt welche Erfahrungen vor allem die Christen unter der deutschen Minderheit in der kommunistischen Sowjetunion aufgrund ihrer Nationalität aber auch ihren Überzeugungen erlitten hatten. Anschließend besuchten sie auch das Stadtgymnasium und das Hermannsdenkmal, bevor sie sich auf den Weg über Kassel nach Berlin machten, wo ihre Deutschlandreise endet.

Hochschulen und Universitäten, die mit dem christlichen Glauben verbunden sind, sind vor allem in den USA schon lange ein Teil der amerikanischen Tradition. Aber seit einiger Zeit ist es auch der christlichen Gemeinschaft in Südkorea möglich, Bildung und Glauben auf akademischem Niveau zu entwickeln. „Wer zum ersten Mal nach Seoul kommt, ist verwundert, mehr Kirchtürme und Radiostationen mit einem Kreuz darauf zu sehen als in Frankfurt zum Beispiel oder New York,“ heißt es in der Kirchengeschichte Südkoreas. Das Christentum in Korea kann längst nicht auf eine so lange Geschichte zurückblicken wie in Europa. Trotzdem gehören etwa 30% der Südkoreaner einer christlichen Kirche an, inmitten einer stark vom Buddhismus, Konfuzianismus, Schamanismus und Atheismus geprägten Gesellschaft. Doch nicht nur das einfache Volk interessierte sich für das Christentum, sondern auch die intellektuelle Schicht Koreas. Denn als Korea ab 1905 von den Japanern besetzt wurde, zog sie aus dem Christentum ihre Kraft zum Widerstand. Die Koreaner sahen in den Jahren der Unterdrückung und Zwangsanpassung an die japanische Kultur das Christentum nicht als „West-Import“ an, sondern als ein Mittel zur Erneuerung der Gesellschaft. Aus der christlichen Bewegung entstand 1994 die Handong Global Universität, die nach einem christlichen Leitbild ganzheitliche Bildung mit Entwicklung des Charakters und des Wissens miteinander verknüpft. Die Universität wurde bereits 2007 in uniTwin-Programm der Unesco aufgenommen, das die internationale Zusammenarbeit von Hochschulen fördert, um institutionelle Kapazitäten durch Wissensaustausch und gemeinsame Arbeit zu verbessern.

Am Ende des Besuchs bedankten sich die südkoreanischen Besucher sehr höflich für die freundliche Aufnahme und den Einblick in das deutsche Bildungswesen. „Wir sind sehr beeindruckt, wie christliche Identität in Deutschland und Holland gelebt wird. Als Christen haben wir es in Korea schwer, aber wir setzen uns auch in Zukunft engagiert für Menschenrechte, Demokratie und die Wiedervereinigung ein. Dafür haben wir in Deutschland gute Anregungen erhalten“, so Prof. Choi beim Abschlussgespräch.