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Eingetaucht in die Plautdietsche Welt der Mennoniten

Freiburger Studenten erforschen die Plautdietsche Mund- und Lebensart in Detmold

Das Land Nordrhein-Westfalen hat sich 1998 verpflichtet, die Forderungen der Sprachencharta des Europarates anzuerkennen und umzusetzen. Eine der Sprachen, der die Charta Schutz gewährt, ist das Niederdeutsche und damit auch die Sprache der Russlanddeutschen mit mennonitischem Hintergrund, das Plautdietsche (seit dem 17. Jahrhundert in der Weichseldelta gebildet. Besteht aus einer Mischung von alt-Holländisch, Friesisch und Niederdeutsch). Eine wichtige Maßnahme der Sprachencharta besteht dabei darin, das Studium und die Erforschung der geschützten Sprachen „an Universitäten oder in gleichwertigen Einrichtungen“ zu fördern. Leider hat das Land NRW es in den letzten siebzehn Jahren nicht geschafft, dieses Versprechen zu halten und entsprechende Strukturen aufzubauen.

 

Umso erfreulicher ist es, dass Dr. Göz Kaufmann im fernen Freiburg seit vielen Jahren Kurse zum Plautdietschen und zu den Mennoniten anbietet. Der Sprachwissenschaftler Dr. Kaufmann arbeitet als Akademischer Rat in der Germanistischen Linguistik der Albert-Ludwigs-Universität und forscht schon lange über die Kultur und Sprache der nord- und südamerikanischen Mennoniten. Nun ist er mit zwölf Teilnehmern eines Hauptseminars der Universität nach Detmold gekommen. Gastgeber waren die August-Hermann-Francke-Schule, das Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte und der Verein der Plautdietsch-Freunde. Vier Tage lang wurde ein intensives Programm geboten: Begegnungen mit Zeitzeugen, Vorträge zum Plautdietschen, zur Geschichte und Kultur der Mennoniten in Deutschland und Übersee sowie Gespräche mit Künstlern, Wissenschaftler und Autoren, die mit dem Plautdietschen arbeiten. Insbesondere die Möglichkeit, vier Tage lang bei mennonitischen Gastfamilien zu wohnen, stellte für die Studierenden eine hervorragende Möglichkeit dar, eine für sie neue Gruppe, deren Kultur und Sprache kennenzulernen. Die Interviews, die die Studierenden während ihres Aufenthaltes geführt haben, bilden nun die Grundlage für wissenschaftliche Hausarbeiten. Genauso wichtig ist aber, dass sowohl sie als auch viele Mennoniten sich ein besseres Bild von der jeweils anderen Seite machen können. Insbesondere die älteren, noch in der Sowjetunion geborenen Zeitzeugen, die der Freiburger Gruppe Rede und Antwort standen, waren sehr angetan von dem Interesse der gut informierten jungen Menschen aus Süddeutschland.

 

Beim Besuch im Museum führte die Museumsleiterin Dr. Katharina Neufeld die Studenten besonders in die Geschichte der russlanddeutschen Mennoniten ein. Am Beispiel der Plautdietschen konnte sich die Studentengruppe ein Bild von der Entstehung und Verwendung von russischen Lehnwörtern, die in die plautdietsche Sprache integriert worden sind, machen. Besonderes Interesse weckte auch die Bibliothek, die mit 11.000 Buchtiteln eine breite Auswahl zur Geschichte, Kultur und Mundarten der Russlanddeutschen bietet.